"Heidelberg ist eine Weltenstadt. Man sieht hier kein Gesicht zweimal." Saeid Fasihi
Saeid Fasihi
Unternehmer
Weisenheim a.S.
Bei einer Tasse süßem persischem Tee lässt der gebürtige Iraner Saeid Fasihi seine knapp 30 Jahre in der Rhein-Neckar-Region Revue passieren. Der 58-Jährige kam als politischer Asylbewerber und ist heute stolzer Träger des Innovationspreises des Landes Rheinland-Pfalz und des Großen Preises des deutschen Mittelstands.
Geboren und aufgewachsen ist der Gründer und Geschäftsführer des Ludwigshafener Software-Unternehmens Fasihi GmbH in Irans Hauptstadt Teheran. Er arbeitete dort als Betriebsingenieur in einem LKW-Montagewerk von Daimler-Benz. Doch musste Saeid Fasihi seine Heimat 1986 wegen seinem politischen Engagement gegen das Mullah-Regime verlassen. So kam er als politischer Asylbewerber nach Heidelberg, wo er in einer kleinen WG in ein neues Leben startete.
Drei Jahre wartete er auf Anerkennung seines Asylantragslernte Deutsch und besuchte, trotz fehlender Erlaubnis, als unerkannter Gasthörer am Rechenzentrum der Universität Heidelberg EDV-Kurse. Sein Budget besserte er sich als Porträtzeichner in der romantischen Heidelberger Fußgängerzone auf. Dort lernte er auch seine Frau kennen. Nicht nur deshalb hat Fasihi zu Heidelberg eine besondere Verbindung: "Heidelberg ist eine Weltenstadt. Man sieht hier kein Gesicht zweimal." Nach Anerkennung seines Asylantrags studierte er Wirtschaftsinformatik an der Uni Mannheim und arbeitete als freier Programmierer für den Chemiekonzern BASF SE.
Seinem heutigen Unternehmen mit rund 50 Mitarbeitern, 1990 als Ein-Mann-Betrieb gestartet, bietet Ludwigshafen den perfekten Wirtschaftsstandort. Die Mietpreise sind günstig, die Verkehrsanbindung ist hervorragend – in wenigen Minuten ist er bei seinem ältesten und größten Kunden, der BASF SE. Auch die Infrastruktur, insbesondere die digitale Vernetzung, lässt keine Wünsche offen. Selbst nach fast 30 Jahren ist Saeid Fasihi immer wieder fasziniert, wie gut das regionale Verkehrsnetz funktioniert, dass die Busse nicht ständig überfüllt sind und der Nahverkehr pünktlich. „Man kann Treffen zu einer bestimmten Uhrzeit ausmachen und sich dann auch darauf verlassen, zur vorgegebenen Zeit vor Ort zu sein. Im Iran war das alles das reinste Chaos, man wusste nie wann und ob man überhaupt sein Ziel erreicht“, erzählt Fasihi.
Im idyllischen Weisenheim a.S. lebt Fasihi mit seiner Frau und seinen Kindern und betreibt nebenberuflich noch Landwirtschaft. So besitzt er rund 1000 Obstbäume: Apfel, Kirsche, Zwetschge – Früchte aus denen er seinen eigenen Saft und Schnaps herstellt. Der Blick über die Weinreben entlang der Weinstraße wecken Erinnerungen an die Heimat, auch sein Vater baute Obst und Wein im Iran an. Die Region bietet ihm Ausgleich zu seinem anspruchsvollen Job: Der Pfälzerwald lädt zu Wandertouren ein, die vielfältige Gastronomie und die zahlreichen Stadt- und Weinfeste zur Einkehr.
An die typische regionale Küche wie Leberknödel und Sauerkraut muss sich Saeid Fasihi allerdings immer noch gewöhnen. Beim Wein kann er seine persischen Wurzeln nicht verbergen – süß muss er sein. Auch der Pfälzer Dialekt macht ihm manchmal noch etwas zu schaffen. „Meine Nachbarn geben sich aber alle Mühe Hochdeutsch zu sprechen und wiederholen auch mal einen Satz für mich - auch wenn ich dann immer noch nichts verstanden habe“, erzählt er lachend. Für den IT-Unternehmer ist Rhein-Neckar zu seiner Wahlheimat geworden, die er nicht mehr missen möchte: “Hier habe ich alles, was ich brauche. Hier bleibe ich.“